Deine Zuchtprojekte

Verschiedene Zuchtmethoden

 

Traditionelle Linienzucht

 

Kurzfassung:
Ausgehend von einem Guppypaar oder Trio werden aus diesen Nachkommen mehrere (mindestens 3) Linien gebildet und separat weiter gezogen. Tritt in einer Linie nach einigen Generationen Degenerationserscheinungen auf, so wird von einer Gesunden Linie eingekreuzt oder sogar eine neue Linie gebildet, die den Degenerierten Stamm ersetzt.

Vorteile:
- Relativ schnelles Erreichen eines Zuchtziels

Nachteile:
- Genetische Variabilität ist sehr eng
- dadurch auftreten von Degenerationsschäden (Inzuchtschäden)
- relativ viele Becken werden benötigt
- starke Buchführung

Ausführlich:
Nehmen wir an, der angehende Züchter erwarb bei einer Fischbörse ein Paar wunderschöne rote Guppys. Doch leider entsprechen andere Faktoren, wie eine etwas zu klein geratene Rückenflosse, dem Züchters Wunsch nicht. Er entschließt sich durch Linienzucht diesen Makel zu beseitigen.

Am Anfang setzt er das Paar zur Paarung an. Ist das Weibchen befruchtet wurden, und wird merklich dicker, so wartet er die Zeit bis zum Wurf (F1) ab.
Die Jungfische des einen Wurfes, welche alle Geschwister sind, werden nach ungefähr 4 Wochen nach Geschlechtern getrennt, und sogleich in gleichen Teilen (Männchen und Weibchen) in die jeweiligen Linien aufgeteilt, hier als Beispiel 3 Linien. Als Beispiel: Nehmen wir an das Weibchen hatte 60 Baby geworfen, so werden diese nach 4 Wochen nach Geschlechtern (in 2 extra Becken, am besten in den noch leeren Becken der Linie 1) getrennt, damit eine vorzeitige Befruchtung nicht stattfinden kann. Dann verteilen wir die nun getrennten Jungfische gleichmäßig auf alle Becken der 3 Linien. Das bedeutet wir nehmen 1/3 der Weibchen aus dem Weibchen Becken der Linie 1 heraus, und setzten sie in das Weibchen Becken der Linie 2, sowie 1/3 in das Becken der Linie 3. Das gleiche geschieht mit den Männchen, so das am Ende (wenn wir die 60 Babys in theoretischen 30 Männchen und Weibchen getrennt haben) in jedem Becken nur 10 Fische schwimmen, entweder 10 Männchen oder 10 Weibchen. Wir benötigen hier also schon mindestens 6 Becken für 3 Linien!

Die nun immer älter werdenden Guppys werden mit der Zeit Selektiert. Zuerst wird nach Vitalität sortiert, erst am Ende, wenn die Guppys Zuchtreife erlangen (ca. 5-6 Monate), werden die restlichen, die nicht zu Zucht verwendet werden (da sie den Kriterien nicht entsprechen), herausselektiert.

Aus jeder Linie werden nun die besten Männchen mit den besten Weibchen verpaart (Geschwisterpaarung). Manchmal ist auch eine Rückkreuzung nötig. Dazu wird mindestens ein extra Becken benötigt.
Sind die Weibchen trächtig, so werden sie nach entsprechender Zeit in Laichbecken gesetzt (keine Laichkästen verwenden!), um die Jungen alle abzufangen.
Nun beginnt der Kreis fast wieder von vorne. Wir Selektieren jeden einzelnen Linien Wurf nach 4 Wochen in Männchen und Weibchen und setzten sie in ihre Ursprungslinie zurück. Auf keinen Fall dürfen die Jungtiere aus der Linie 1 in die Linie 2 geraten! Alle 3 Linien werden separat gezogen.

Im laufe der Zeit wird es passieren, das Degenerationserscheinungen auftreten. Ist eine Linie damit stark befallen, so wird sie entweder aufgegeben und aus den beiden anderen Linie eine neue Linie gezogen, oder wir kreuzen Gesunde Tiere der anderen Linie in die kranke Linie ein. Dazu nehmen wir ein Weibchen der Gesunden Linie und kreuzen es mit einem (der besten) Männchen aus der Degenerierten Linie. Die Nachkommen ersetzten die Degenerierte Linie.
In der Regel sollten wir aber nicht solange warten, bis Degenerationserscheinungen auftreten! Nach Faustregel kreuzt man alle 3 Generationen ineinander, wobei dies vom Stamm variiert.

Bevor Sie sich selbst mit der Linienzucht anfreunden möchten, rate ich dazu über die Technik nachzudenken bzw. sie für sich Selbst auszufeilen. Denn Linienzucht ist engste Inzucht! Dazu auch ein "Artikel über Inzucht" in der Rubrik Artikel auf dieser Homepage.

 

 

 

Schwarmzucht

 

Kurzfassung:
In einem Becken werden eine ungefähr gleiche Anzahl von Tieren gehalten, wobei Männchen und Weibchen gemeinsam darin leben, sich paaren und Jungtiere Werfen. Wir selektieren unter ständiger Kontrolle die Tiere aus dem Becken, die unserem Zuchtziel nicht entsprechen. So bleibt die Gesamtzahl der Fische im Becken immer ungefähr gleich, die Auswahlkriterien werden aber immer anspruchsvoller, da ehemals beste Fische einer Generation durch noch bessere der Nachfolgegeneration ersetzt werden können.

Vorteile:
- Die Genetische Variabilität bleibt länger stabil als bei Linienzucht
- es werden wenig Becken benötigt
- geringer Buchführungsaufwand

Nachteile:
- Das Zuchtziel wird langsamer erreicht als bei Linienzucht
- Nicht Erbfeste Stämme können schnell außer Kontrolle geraten

Ausführlich:
Ein Züchter besorgt sich ein paar (gute, reinrassige) Guppys, welche kurz danach Werfen. Der Wurf wird in einem entsprechend großen Becken untergebracht, dem Schwarmbecken.
Hier werden die Jungtiere immer älter, und sollten ständiger Selektion unterworfen sein.
Wir entnehmen immer die kranken und schwachen, also die Fische die wenig Vitalität zeigen. Wenn sie ausreifen, selektieren wir weiterhin nach Fischen die unserem Wunsch entsprechen, die im Becken bleiben. Alles andere muss raus!
Die Fische im Schwarmbecken vermehren sich ganz von alleine (wer hätte das Gedacht ;)). Der Züchter muss aber immer Selektieren! Meiner Meinung ist die Selektion in einem Schwarmbecken wie dieses ziemlich Zeitintensiv, wenn man es richtig machen will.
Und richtig machen es die wenigsten. So kommt es schnell dazu das man seinen Stamm regelrecht „verhunzt", wenn man ihn nicht kennt und sich nicht mit ihm täglich beschäftigt.

Des Weiteren gibt es noch verschiedene (meist leicht abgewandelte) Versionen der Schwarmzucht. Viele davon erleichtern die Schwarmzucht. Eine, wie ich finde, gute Variante („Wolfsche" Zuchtmethode) beschreibe ich auf meiner Homepage.

 

 

 

„Wolfsche" Zuchtmethode

 

Phase 1:
Stellen wir uns vor, wir haben 2 Becken (ca. 100L) in dem jeweils die besten Männchen und jeweils die besten Weibchen eines Stammes separat aufgezogen wurden sind. Aus diesen Becken nehmen wir im Standartfall je 3 Weibchen und 3 Männchen, und bilden eine Paarungsgemeinschaft.
Das ganze tun wir 3 mal. So erhalten wir 3 Paarungsgemeinschaften mit je 3 Weibchen und 3 Männchen. Das macht zusammen 9 Weibchen und 9 Männchen, also 18 Fische.

Nach gut 1-2 Wochen, nachdem wir sicher gehen können das alle Weibchen befruchtet wurden sind, werden die Fische (jeweils Männchen und Weibchen) zurück in die separaten Aufziehbecken gesetzt.

26 Tage nach dem ersten zusammensetzen dieser Weibchen, also der möglichen Befruchtung, entnehmen wir die Weibchen wieder dem separaten Weibchen Aufziehbecken und separieren sie jeweils einzeln in die Ablaich- bzw. Babybecken (9x 15L).

Jetzt warten wir bis jedes Weibchen geworfen hat, um sie dann sofort zurück in das Weibchen Aufziehbecken zu setzen. So erreichen wir dass möglichst alle Jungen im Wurf überleben.
Benötigt ein Weibchen länger als 35 Tage zum Wurf, so wird der Wurf nicht gewertet und das Weibchen samt nachfolgendem Wurf nicht mehr zur Zucht benötigt.
Weibchen die überhaupt nicht werfen, scheinen nicht befruchtet wurden zu sein (oder sind Unfruchtbar) und gehören zurück ins Aufziehbecken.

 

Phase 2a: Die Platzsparende Methode.
Die neue F1 wird bis auf ein Alter von ungefähr 4 Wochen aufgezogen, so dass man die Geschlechter exakt trennen kann. Hierauf werden alle Männchen aus allen 9 15L Becken in das Aufziehbecken zu den Alttieren gesetzt. Zu achten sei darauf, das die Alttiere dem jungen nachwuchs möglichst nicht nachsetzten können und wollen. Es sollten im Normalfall alle Jungen überleben! Die Weibchen lässt man weitere 2 Wochen in den Babybecken.

Nach den 2 Wochen suchen wir uns aus jedem der 9 Babybecken jeweils die 6 Vitalsten und (gleich) größten Weibchen heraus und setzten die 54 ausgesuchten Weibchen in die Aufziehbecken zu den Alttieren, welche den Jungen nicht nachstellen sollten! Die restlichen verbleibenden Weibchen in den Babybecken werden nicht mehr benötigt und aus Platzgründen entfernt (Verfüttert, Verschenkt, Verkauft usw.).

 

Phase 2b: Die Effektive Methode.
Die neue F1 wird bis auf ein Alter von ungefähr 4 Wochen aufgezogen, so dass man die Geschlechter exakt trennen kann. Hierauf werden alle Männchen aus allen 9 15L Becken in 9 separaten Aufziehbecken (z.B. 54L) gesetzt, so das die 9 Würfe weiterhin separat gehalten werden.
Genauso werden gleichzeitig die Weibchen der 9 Würfe in 9 separaten Aufziehbecken (z.B. 54L) gesetzt, so dass die 9 Würfe weiterhin separat gehalten werden.

 

Phase 3a: Die Platzsparende Methode.
Erreichen die Männchen und Weibchen der F1 in den Aufziehbecken ein Alter von 3 Monate wird das erste Mal Selektiert. Wir entfernen die schwächsten, kränkelten, langsamen usw. aus dem Becken (Krüppel, deformierte usw. werden selbstverständlich vorher entfernt). Daraufhin wird wöchentlich bis ins Alter von 5-6 Monaten (Zuchtreife) Selektiert, so dass am Ende in den Aufziehbecken die 9 besten Männchen und Weibchen übrig bleiben. In den ersten Selektionsmonaten wird nur auf die Vitalität geachtet, erst nach ungefähr 5 Monaten auf Form (Standart) und Farbe.

Anmerkung: Beim Selektieren beider Geschlechter werden auch die von Phase 1 verwendeten Alttiere mit beachtet. Sie können, wenn sie gut genug sind und dem Selektionsstandart entsprechen, wieder verwendet werden.

 

Phase 3b: Die Effektive Methode.
Aus jedem der 18 Aufziehbecken wird wie bei Phase 3a beschrieben selektiert, sowohl bei Männchen wie bei Weibchen. Es muss in jedem Aufziehbecken, bei den Männchen und Weibchen, nur jeweils 1 Fisch übrig bleiben. Im Idealfall also je 1 weiblicher und 1 männlicher Fisch je Wurf.

 

Phase 1:
Wir kommen wieder zum Anfang des Kreises, an den Anfang.

 

„Wolfsche" Zuchtmethode - Die Erklärung

Diese Zuchttechnik, Urversion stammt von Annett Wolf aus Lund (aus Platzgründen entwickelt), verbindet Schwarm- und Linienzucht. Die Schwarmzucht wird benutzt um zu starke Inzucht zu vermeiden, also das (schnelle) Verlieren der Genetischen Variabilität. Die Linienzucht hingegen soll bei starker Inzucht (dadurch schnelles erreichen des Zuchtziel) dafür sorgen, das die Genetische Variabilität durch Einkreuzen wieder stabilisiert wird.

Die Vorteile dieser Zuchtmethode:
1. Alle Fische sind ungefähr gleich alt, ich kann ihre Qualitäten gut vergleichen.
2. Ich habe eine große Auswahl and Zuchttieren, kann also die schönsten aussuchen und somit eine gezielte Zucht betreiben (Hochzucht).
3. Eine hohe Genetische Variabilität bleibt erhalten.
4. Nach viel Geduld sollte das Endprodukt theoretisch schöner als bei starker Inzucht, weil keine guten Merkmale verloren gehen (durch Genetische Variabilität und Einkreuzung).
5. Die weibliche Wahl wird beachtet.
6. Relativ geringe Beckenanzahl wird benötigt.
7. Man hat Tiere übrig, um sie zu Ausstellungen zu schicken.
8. Weniger Arbeit in der ruhigen Selektionsphase. Die Buchführung wird vereinfacht, da man nicht mehr (eindeutig) feststellen kann wer Vater und Mutter war.

Die Nachteile dieser Zuchtmethode:
1. Da alle Würfe auf einmal kommen, gibt es viel Arbeit.
2. Man besitzt mehrere Monate keine Vorzeigetiere, bis diese Ausgewachsen sind (außer man hebt sich in extra Becken welche auf).
3. Einheitliche Fische werden langsamer erreicht als bei starker Inzucht (d.h. ich benötige mehr Generationen und mehr Geduld).
4. Andre Leute kommen bestimmt auf noch ein paar mehr Nachteile.

Gehen wir nun genauer auf die einzelnen Phasen ein.

 

Zu Phase 1:
Frage: Warum entnehmen wir 3x jeweils 3 Männchen und 3 Weibchen um sie in einer von 3 Paarungsgruppen zu setzten? Wir könnten doch gleich alle 9 Männchen und 9 Weibchen in ein großes Paarungsbecken als eine Gruppe setzen?
Antwort: Nein! Durch die Gruppen gehen wir sicherer, das nicht ein Männchen in der ganzen Gruppe alle Weibchen allein Befruchtet und die anderen Männchen ihre Gene nicht weitergeben können, was uns Genetische Variabilität kostet.
Durch 3 Gruppen sichern wir, dass mindestens 3, maximal 9 Männchen ihre Gene weitergeben können. Bei einer großen Gruppe könnte es theoretisch passieren, das nur 1 von 9 Männchen alle 9 Weibchen Befruchtet!

Frage: Warum bilden wir dann nicht 9 Gruppen mit je 1 Männchen und 1 Weibchen?
Antwort: Guppy Weibchen werden, wie angenommen, nicht Vergewaltigt, sondern müssen einer Paarung zustimmen (siehe Petzold). Das Männchen Balzt um das Weibchen. In einer Gruppe von mehreren Männchen werden nur die aktivsten Männchen ihre Gene weitergeben können, was zusätzlich einer natürlichen Selektion entspricht. Wir erhalten somit nur die aktiven und paarungsstarken Tiere. In der Praxis schafft es aber auch in einer Gruppe meist jedes Männchen nach einer gewissen Zeit (hier 1-2 Wochen) das Weibchen zu Befruchten. Sogar Mehrfachbefruchtung eines Weibchen von unterschiedlichen Männchen ist möglich, bei dem der gleiche Wurf eines Weibchens dann Babys von verschiedenen Vätern haben kann, was bei dieser Zuchtmethode nicht nachteilig ist sondern gewollt!

Frage: Und wieso nehmen wir in eine Gruppe 3 Männchen und 3 Weibchen, und nicht 2 Männchen und 3 Weibchen oder 4 Männchen und 3 Weibchen je Gruppe usw.?
Antwort: Bei 3 Männchen und 3 Weibchen gehen wir vom Standartfall aus. Nach der Genetischen Variabilität wird bei 3 Gruppen mit insgesamt 9 Männchen und 9 Weibchen je Generation ein Verlust von Genvariabilität um nur -2,8% erreicht. Bei 6 Männchen und 9 Weibchen wird die Inzucht stärker, wobei man dadurch wiederum schneller ein gewünschtes Ziel erreichen kann, aber einen Verlust von Variabilität von -3,5% in kauf zu nehmen hat.
Bei 3 Männchen und 9 Weibchen wären dies -5,6%.
Je höher der Verlust, desto schneller treten Degenerationserscheinungen auf, also Inzuchtschäden. Bei unserem Standartfall mit insgesamt 9 Männchen und 9 Weibchen können wir 24 Generationen Züchten, bis wir einen Verlust von ungefähr 50% erreichen. Bei 3 Männchen und 9 Weibchen sind es nur 12 Generationen. Je nach zusammenstellung des Männchen Weibchen Verhältnis ändern sich diese Zahlen. Unser Beispiel mit 9 Männchen und 9 Weibchen sollte ausreichen, um über viele Generationen ohne Schäden züchten zu können, bei dem kein so schnelles Einkreuzen von „Frischblut" nötig ist, was viele Gefahren für einen gefestigten Stamm mit sich bringen kann.

Frage: Warum werden die Weibchen nach dem Befruchten wieder in das große Aufziehbecken gesetzt, und dann 2 Wochen später wieder zurück in die Baby- bzw. Laichbecken zum Werfen?
Antwort: Lassen wir die Weibchen die ganze Zeit in den Babybecken, so ist der Stress der Isolation auf lange Zeit zu groß und schlägt sich negativ auf die Tiere nieder.

Frage: Weibchen die zum Werfen länger als 35 Tage benötigen werden aus der Zucht genommen, warum?
Antwort: Wir möchten Gesunde Tiere Züchten, die möglichst alle eine Tragezeitdauer von ungefähr 4 Wochen besitzen. Das ist einfacher für die Datierung der Würfe und vereinheitlicht die Fische besser.

Frage: Wieso aber werden Weibchen, die überhaupt nicht Werfen, also nicht schwanger geworden sind, zurück ins Aufziehbecken gesetzt?
Antwort: Es kann möglich sein das dieses Weibchen nicht erfolgreich Befruchtet wurden ist, aber durchaus die nächste Runde der Selektion in den Aufziehbecken übersteht und so das nächste Mal sehr gute Ergebnisse bringen kann.
Ein Problem stellt aber Unfruchtbarkeit dar. Diese können wir erst eindeutig bemerken, wenn das gleiche Weibchen in der nächsten „Runde" wieder anscheinend nicht Befruchtet wurden ist, also keinen Wurf hat. Dann wird es endgültig entfernt und zur Zucht nicht weiter verwendet!

 

Zu Phase2a:
Frage: Die Jungtiere werden schon zwischen 4-6 Wochen zu den Alttieren gesetzt? Gleicht das nicht einem Idiotentun?
Antwort: Die Jungen sind in diesem Alter groß und schnell genug, den restlichen (im Normalfall 9) Alttieren zu entkommen. Dafür sorgen ebenfalls gute Versteckmöglichkeiten.
Nur die schwächsten und „dümmsten" sterben durch die natürliche Selektion, die starken bleiben im Normalfall erhalten. Zudem Wachsen Jungtiere schneller, wenn sie bei größeren Guppys untergebracht sind, vorausgesetzt sie bekommen auch ihre extra Nahrung.
Ich gehe nicht davon aus, das wir wie am Anfang der ersten 4 Lebenswochen die Jungen Mastzüchten. Nicht zuletzt sparen wir mit dieser Methode auch zusätzliche Becken.
Manche Züchter würden durch diese Methode zusätzlich Kannibalistisch veranlagte Guppys ausfindig machen und entfernen, damit sie ihre Kannibalistischen Gene nicht weitergeben.

Frage: Weshalb werden alle Männchen aus allen Würfen in das Aufziehbecken gesetzt, aber nur von jedem Wurf jeweils die 6 Vitalsten und (gleich) größten Weibchen?
Antwort: Ob es nun 5, 6 oder 7 ausgewählte Weibchen aus jedem Wurf sind, spielt keine Rolle. ABER aus jedem Wurf müssen GLEICHVIELE Weibchen entnommen werden. Es geht nicht aus Wurf 1 nur drei Weibchen zu entnehmen und aus Wurf 2 plötzlich 4 Weibchen. Warum? Damit wir später bei der Selektion im Aufziehbecken eine relativ gleiche Chance haben aus jedem Wurf die gleiche Anzahl Weibchen zur Neuzucht übrig zu lassen, da wir sie aus Platzgründen wie oben beschrieben in Phase 2a alle in ein Aufziehbecken setzten, wissen wir nicht mehr wer Vater und Mutter waren.
Zudem scheint es meiner Meinung besser zu sein, nur die größten Weibchen zu nehmen die zusammen aber möglichst alle gleich groß sein sollten! Das festigt den Stamm besser auf eine einheitliche Größe.

Frage: Was hat es mit Phase 2b und Phase 3b auf sich?
Antwort: Im Idealfall, den wir meist nicht erfüllen können da zu wenig Becken vorhanden sind, trennen wir jeden Wurf einzeln in Aufziehbecken. So wird eine 100% Gewährleistung gegeben, später bei der Verpaarung nahe Geschwisterinzucht zu vermeiden. Im unserem Standartfall, wie in Phase 2a und 3a, existiert sehr wohl die Wahrscheinlichkeit der nahen Geschwisterpaarung (also die aus demselben Wurf). Die Wahrscheinlichkeit wird aber durch die Technik in Phase 2a überwiegend vermindert.
Phase 2b und 3b sind somit nur für uns von Bedeutung, wenn wir uns peinlich das Ziel gesetzt haben, möglichst Inzucht zu minimieren und so die Genetische Variabilität hochzuschrauben, sowie genügend Becken zur Verfügung haben. Im Normalfall ist Phase 2b und 3b aber nicht von Bedeutung, da wir schon mit 18 Fischen (also durch die 3x 3m&w gruppen) je Generation lange genug züchten können, bevor wir zu starke Degenerationserscheinungen erhalten.

 

Zu Phase 3a:
Frage: Warum werden die Guppys nicht vor dem Alter von 3 Monaten wöchentlich Selektiert?
Antwort: Vorher werden nur die Männchen und Weibchen Selektiert, die krankhaft sind, Genschäden aufweisen usw. Gesunde Tiere bleiben. Erst nach den 3 Monaten sind die Fische bereit genug sie nach Vitalität zu Selektieren (da der größte Wachstumsprozess bis dahin abgeschlossen ist). Wöchentlich wird der Bestand dann kontrolliert. Erst viel später folgt dann die Selektion nach Form und Farbe.
Die endgültige Körperform und Farbe wird im Normalfall erst im Alter von 5-6 Monate erreicht. Hier ist es von Stamm zu Stamm unterschiedlich, weshalb man seinen Stamm ausgiebig kennen sollte!

 

Allgemeine Fragen:
Frage: Was passiert mit dem Nachwuchs der Weibchen, die schon einmal geworfen haben und zurück ins Aufziehbecken kommen und dann alle weitere 4 Wochen Jungen werfen?
Antwort: Bis zum nächsten Zuchtansatz vergehen mehr als 5 Monate, in der Zeit können die befruchteten Weibchen weitere 4-5 mal werfen. Wir ignorieren die Jungtiere aber, da die Würfe für uns nicht von Bedeutung sind. Es ist lediglich dafür zu Sorgen, die Jungtiere aus der Zucht auszuschließen. Wie das gemacht wird, sei jedem selbst überlassen. Manche lassen sie 1-2 Tage im Becken als Nahrung für die Alttiere, und fischen dann den rest raus. Auf jeden fall müssen diese ungewollten Würfe im Aufziehbecken bis auf den letzten Fisch raus!
Manche beobachten vorher auch, welches Alttier besonders Kannibalistisch auf den Nachwuchs veranlagt ist, und selektieren dabei gleichzeitig auf Non- Kannibalismus.
Auf jeden fall dürfen aber keine Jungtiere des Wurfes überleben bzw. sich im Becken befinden! Sie sind nicht Selektiert und uns nicht von Nutzen.

Frage: Altweiber Guppys, die schon einmal Befruchtet wurden sind und geworfen haben, werden wieder nach 5-6 Monaten zur Zucht angesetzt. Ich habe gehört, dass aber Guppyweibchen Sperma bis zu 11 Würfen speichern können. Wird eine Neubefruchtung funktionieren?
Antwort: In der Regel, ja! In den 5-6 Monaten wird die Dame noch weitere 4-5 mal geworfen haben, und ihren Spermavorrat dezimiert haben. Zudem befruchtet frisches Sperma bevorzugt! Wird sie erneut nach dieser langen Abstinenz befruchtet, sind die nächsten Jungtiere meist vom neuen Vater.

 

Weitere Tipps:
Achtet darauf dass ihr in jeder Zuchtgruppe möglichst gegensätzliche Fische von den letztlich 9 Selektierten männlichen und 9 weiblichen unterbringt.
Haben wir Beispielsweise unter unseren ausgewählten Zucht 2 sehr attraktive (aktive, guter Standart usw.) Männchen, so bringen wir sie nicht beide zusammen in eine Zuchtgruppe, sondern verteilen sie in zwei verschiedene. Das gleiche gilt für Weibchen. Damit gewährleisten wir eine bessere Befruchtungsrate der sehr guten Guppys.

 

 

 

"Ein Weibchen - Viele Stämme" Methode

 

Kurzfassung:
Es ist möglich einige ähnliche Stämme einer Flossenart, wie z.B. Wiener Smaragd, Neon "Coral Red", Lazuli ... Doppelschwert Guppys mit den gleichen Weibchen zu züchten. Somit kann man verschiedene Stämme (die Männchen daraus) halten, deren Weibchenpool aus einer Quelle herrüht. Mehrere Stämme teilen sich somit die Weibchen. Der Vorteil, aber auch der Nachteil, liegt auf der Hand.

Vorteile:
- es werden wenig Becken benötigt
- geringer Buchführungsaufwand
- ideale um bei wenig Becken viele Kreuzungsversuche und Farbversuche durchzuführen (Experimental Zucht)

Nachteile:
- Die Genetische Variabilität sinkt schneller, da die selben Weibchen für unterschiedliche Stämme verwendet werden
- Nicht Erbfeste Stämme können schnell außer Kontrolle geraten
- möglicherweise wird es schwieriger Ausstellungsreife Tiere zu erhalten, die dem entsprechenden Standart entsprechen, da z.B. Eigenschaften, die durch Weibchen festgesetzt sein können, sich auf alle Männchen der unterschiedlichen Stämme auswirkt, was bei einigen Stämmen positiv, bei anderen negativ wirken kann.
- Die Stämme unterscheiden sich nur noch über das Y-Chromosom und darauf befindlichen Informationen. Für gewisse Stämme stellt dies aber keinen sichtbaren Unterschied dar.

Ausführlich:
Die Weibchenauswahl:
Es ist sehr wichtig möglichst neutrale Weibchen auszuwählen, oder Weibchen deren Eigenschaften für die zu verwendeten Stämmen gleichsam von bedeutung sind. Ich verwende z.B. Doppelschwert Weibchen aus einem Lazuli Stamm, die auf ihrem X Chromosom Rot mit sich bringen. Das verstärkt gleichsam das Rot meiner Neon "Coral Red" Männchen, und ich kann sie gleichsam mit dem Ursprünglichen Lazuli Stamm weiter halten. Der Nachteil ist, das diese Weibchen möglicherweise kein Doppelschwert Gen auf ihrem X mitgebracht haben (muss ich noch Test-Kreuzen), und somit die Schwertform meiner Neon "Coral Red" etwas leidet. Da ich hier aber nicht für Ausstellungen hinarbeite, sondern Farbgenetik Studieren möchte, ist dies für mich zweitrangig. Andernfalls muss ich einen Weibchenpool mit Doppelschwert auf X suchen.

Die Verpaarung:
Aus dem jungfräulichen Weibchenpool entnehme ich die Weibchen die ich mit den jeweiligen Männchen ansetzte. Die Weiblichen Nachkommen dieser Kreuzung gehen gegebenfalls in den jungfräulichen Weibchenpool zurück.

 

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