Pink

Schuppenumrandung wie bei Gold dunkler. Schwanzstiel ohne schwarze Melanophoren. Aus der Deckfarbe des schwarzen Nigrocaudatus (Halbschwarz) wird rosa (ausfall aller Melanophoren in diesem Bereich), somit fehlt hier auch die Schuppenumrandung (Schwanzstiel)! Auch aus Weiss (von HS-Weiss) wird ein rosa. Ohne Nigrocaudatus (Ni) wird kein Triangel bei Pink ausgebildet (schwarze Pigmente in diesem Fall für Triangel wichtig, zu wenig Melanophoren = kein Triangel)! Rote und gelbe Farbzellen sind stark vermindert oder verkleinert! Ist Nigrocaudatus 2 (Ni2) vorhanden wird aber gelb und leichtes rot (orange) sichtbar! Filigran auf Pink wird anders dargestellt wie auf grau. Pink Weibchen zeigen in verbindung mit Ni2 auf das Pink-Mermal auf dem Schwanzstiel. Möglicherweise beeinflußt Pink nur zwei der insgesamt acht verschiedenen Melanophoren-Arten. Pink kann nur kurze Schwanzflossen ausprägen, Dagegen können aber Pink HS-Weiss Stämme perfekte Schwanzflossen ausbilden. Das Geschlechtsgebundene X-Gen (Cross Over auch auf Y) Pink HS-Weiss ist eine andere Mutation wie das autosomale Pink (um das es hier gerade geht), es entwickelt sich auch erst nach der Geburt. Diese Geschlechtsgebundene Pink-Weiss Mutation ist kein Halbschwarz Pink, sondern eine eigenständige Mutation, die keine Grundfarbe ist.

Die Grundfarbe Pink

Im Jahr 1979 stellte der Amerikaner David Liebman in der Juni Ausgabe des “Freshwater
And Marine Aquarium” (FAMA) Magazins eine neue Zuchtform des Guppys vor. Er
entdeckte in den 70er Jahren ein Tier mit rosa Deckfarbe nach dem er nach eigenen Aussagen
mehr als 10Jahre lang Kreuzungen machte. Er züchte es weiter und gab ihnen den Namen
“PINGUS”, der für PINk GuppieS steht. Die “PINGUS” sind eine autosomale Mutation in
einem halb schwarzen Stamm und stellen die ersten bekannt gewordenen pink Guppys dar. Zu
nächst wurde nicht bemerkt, dass die rosa Färbung nur eine Deckfarbe auf einer völlig neuen
Grundfarbe ist und so kam es zu der Namensgebung pink, womit im Englisch die Farbe rosa
bezeichnet wird.


Später erschienen sie auch im „People magazine“ und er wollte sie zu nächst für 200 US
Dollar pro Paar verkaufen. Herr Liebman ließ sich sogar den Namen “PINGUS” als
Markenname schützen, also als TradeMark (™) im Englischen. Sehr großen Einfluss auf die
Kontrolle des Verkaufs hat solch ein Markenname nicht. Heutzutage kann man sie sogar auf
thailändischen Wochenmärkten kaufen, ohne dass David Liebman jemals etwas von den
Verkäufen von Tieren seiner „Marke“ mitbekommt. Geblieben ist einzig der Name, der oft
nur noch als pingu bezeichnet wird.


Die “PINGUS” und somit die neue Grundfarbe Pink breiteten sich zu nächst in den USA und
Japan aus und kamen Mitte der 80er Jahre dann auch zu uns nach Europa, wo sie zu erst
einiges an Aufsehen erregten. Mittlerweile ist die Aufregung bei uns verflogen und der
Stamm sowie die Grundfarbe Pink sind recht selten geworden. Dies könnte unter anderen an
den Schwierigkeiten liegen, die die Grundfarbe Pink mit sich bringt.
Die Grundfarbe pink ist wie die meisten Grundfarben außer grau auch eine einfach rezessive
Grundfarbe. Das Gen für Pink sitzt auf einen der 22 Körperchromosomen des Guppys, wird
also autosomal von beiden Geschlechtern vererbt.

Die Intensität und somit die Ausbildung des Melanins der Schuppenränder entspricht
ungefähr der von grauen Tieren. Eine Ausnahme bildet der Hinterkörper und die
Schwanzwurzel. Hier ist dieses Merkmal in der Hinsicht vermindert ausgeprägt, dass die
Intensität der Schuppenränder vom oberen Teil des Hinterkörpers vertikal als auch horizontal
zur Schwanzwurzel hin abnimmt und am unteren Rand des Hinterkörpers fast nicht mehr
sichtbar ist. Der Bereich zwischen den Schuppenrändern weist nur eine verringerte
Ausprägung von Melanin im Vergleich zu grauen Tieren auf, wodurch Pink Weibchen ohne
Nigrocaudatus 2 oft hellgrau bis beige mit dunkler Schuppenumrandung wirken. Sie ähneln
dadurch etwas Tieren der Grundfarbe gold, da bei ihnen ein ähnlich verminderte Ausbildung
des Melanin stattfindet. Die Jungfische erscheinen zunächst sehr hell, ähnlich blonden, und
werden erst nach und nach dunkler.

Welche Deckfarben die Guppys der Grundfarbe Pink wie ausbilden können, ist noch nicht
hinreichend erforscht und dokumentiert. Zu beobachten ist, dass Rot nach bisherigem
Erkenntnisstand fast nicht ausgebildet werden kann. Eventuell liegt eine stark verminderte
Ausbildung der Erythrophoren (Pigmentträgerzellen in der Haut mit roten Farbstoffen) vor,
die dann zu einem schwachen rostroten Farbton führen.

Gelbe Deckfarben scheinen ähnlich stark in ihrer Ausprägung verhindert zu sein.

Eine Ausnahme bildet gelb in Verbindung mit Nigrocaudatus 2 (Ni2).

Die Schwanz- und Rückflosse kann dann bei den “PINGUS“ gelb erscheinen.

Zusammen mit dem Gen Ni² kann auch orange ausgebildet werden, was erstaunlich ist, da rein rote Flossen ohne Ni2 nicht möglich zu sein scheinen. Für orange sind aber Erythrophoren in geringer Zahl nötig.

Das gelbe Muster Filigran wird ebenfalls auf Pink etwas anders dargestellt als auf Grau. Besonders
in den Flossen scheint die Ausbildung vermindert zu sein. Erst dadurch und durch Hilfe von
gezielter Selektion sind die Pink Moskauer mit ihrem y-gebundenen Filigran auf dem Körper
aber rein dunkelblauen Flossen möglich.

Ohne Einschränkung kann Blau und Schwarz auf dem gesamten Körper gezeigt werden und
diese Deckfarben bieten sich deshalb besonders an. Weiß kann ohne Einsschränkung
ausgebildet werden, da es durch eine diffuse Lichtbrechung an den Guanin-Kristallen in den
Iridophoren gebildet wird.

Ob Grün gezeigt werden kann, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Da Iridophoren und
Melanophoren im ausreichender Anzahl gebildet werden aber Xanthophoren (gelbe
Pigmentträgerzellen in der Haut) nur sehr gering ausgebildet werden, sollte statt Grün eher
eine türkisfarbene bis hellblaue Deckfarbe erscheinen. Die Tiere des rot-bunten Stammes
zeigen auf Grau neben Rot auch Grün und Hellblau, auf Pink wird aber nur Hellblau ausgebildet.

Die Spreizung der Schwanzflosse kann der von Triangeln entsprechen und ist durch Pink
nicht beeinflusst. Das Längenwachstum ist gehemmt und reine pink Ni2 Tiere haben häufig
eine zu kurze Schwanzflosse. Die Rückenflosse ist davon nicht in diesen Ausmaß betroffen.

In Japan bekam der Pink Moskauer den Namen "Panda" und verbreitete sich unter diesem
Namen in fast ganz Asien. Die als panda bekannten Tiere unterscheiden sich genetisch als
auch optisch aber nur kaum von unseren pink moskauern.

Die als Pink Moskauer Rundschwänze bekannten Tiere sind keine Rundschwänze im
eigentlichen Sinne. Bei den meisten "normalen" Rundschwänzen z.B. bei rot filigranen RS
bedingt ein extra Gen das Flossenwachstum und die Form. Es ist durch eine grau bis schwarze
Linie am äußeren Rand der Schanzflosse gut zu erkennen. So bald dieses Merkmal auftritt,
wird die Spreizung und das Längenwachstum der Schwanzflosse gehemmt und es entstehen
nur noch Kurzflosser, egal welche Grundfarbe die Tiere haben. Die Rund- und
Spatenschwänze sind meistens selektierte Formen der Kurzflosser mit diesem Merkmal.

Diese Grundfarbe gibt uns die erstaunliche Möglichkeit neue Deckfarben
auf den Standard Rundschwanz zu übertragen.

 

(Ausschnitt aus Guppy Report 1/2006 Robert Gall und Guppy-Molly-Xipho Spektrum, März 2009) VIELEN DANK an Robert Gall für seine Unterstützung und mithilfe.

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